Erzeugerorganisation

Seewinkler Sonnengemüse

In den wirtschaftlich schwierigen 30er Jahren wurde auf Initiative von Ökonomierat Josef Kast und 32 Neusiedler Gemüsebauern am 6. März 1930 die Gemüsegenossenschaft Neusiedl am See gegründet. Zweck der Genossenschaft war vor allem die Stärkung der Vermarktung des Neusiedler Majorans, der sich gegen die Konkurrenz  aus Frankreich und Deutschland behaupten musste.

Der Majorananbau in Neusiedl am See  hatte seine große wirtschaftliche Blütezeit 1930 bis 1950. 1950 gab es in Neusiedl am See noch hunderte kleine Gartenstücke, die in mühevoller Handarbeit von den Gemüsebauern bewirtschaftet wurden.

Die Vermarktung erfolgte zum Teil über die Genossenschaft, die über eine eigene Majoranputzmaschine und Abpackmaschine verfügte.

Ab 1950 ging der Majorananbau kontinuierlich zurück. Es waren nicht genügend Arbeitskräfte für die mühevolle Handarbeit vorhanden. Meistens wurde dann nur auf kleinen Gartenstücken für die Selbstversorgung oder für Bekannte Majoran angebaut.

1946 erfolgte bereits die Umbenennung des Firmennamens in „Obst- und Gemüsegenossenschaft des Bezirkes Neusiedl am See“.

Der erste Sitz der Genossenschaft war im ehemaligen Turmgasthof der Gemeinde Neusiedl am See (heute in Besitz der Fam. Göschl, Hauptplatz 30) untergebracht.

Kurze Zeit später wurde der Sitz in den rückwärtigen Teil dieses Hauses verlegt (heute alter Wirtschaftshof der Gemeinde), wo bereits 1956 eine neue Übernahmezentrale gebaut wurde. Jahrzehntelang hatte dort  die Gemüsegenossenschaft ihren Sitz. In der Zeit des Nationalsozialismus erhielt die Institution den Namen BAST, der noch viele Jahre danach in Gebrauch war.

1981/82 erfolgte dann der Bau einer neuen, modernen Übernahmehalle mit Bürogebäude beim Ganslsee (heute Veranstaltungshalle und neuer Bauhof der Stadtgemeinde Neusiedl am See).

In der Blütezeit des Neusiedler Gemüsebaus erreichte die Anbaufläche ein beachtliches Ausmaß. Das grüne Salat- und Gemüsemeer reichte von der Riede Saubühl (heute Bühlgründesiedlungen) im Westen über die Oberen und Unteren Hausgärten zu den Schottenaugärten und Seegärten (bei der Tennishalle) bis zur Hottergrenze nach Weiden am See.

Schätzungsweise wurden an die zehn  Millionen Stück Wintersalat gepflanzt. Auspflanzzeit war Mitte Oktober  bis Mitte November. Erntezeit des Wintersalates war Ende April bis Mitte Mai. Um diese Zeit herrschte in Neusiedl am See das sogenannte „Grüne Fieber“. So wurden die Hektik bei der Erntearbeit  und das Zittern um guten Absatz und guten Preis  beschrieben.
Bereits um 3 Uhr früh war in der Erntezeit Tagwache. Um 4 Uhr früh wurden von den Genossenschaftshallen die leeren Salatsteigen geholt. Noch im Morgengrauen wurde mit dem  Salatschnitt begonnen, weil die Nachtkühle  und der Morgentau den Salat besonders frisch hielten. Bereits um 6-7 Uhr morgens wurde der erste Teil des geschnittenen Salates angeliefert. Die Konsumenten in Wien  und in den östlichen Bundesländern konnten somit  am gleichen Tag noch erntefrischen Neusiedler Salat kaufen. Der Neusiedler Wintersalat wurde besonders wegen seines hervorragenden Geschmackes geschätzt.

Nach der Salaternte wurden dann die Paradeiser gepflanzt. Die Jungpflanzen wurden schon einige Wochen vorher in sogenannten Mistbeeten herangezogen. Diese Mistbeete bestanden meistens aus Holzbrettern, die 4 m lang, circa 1,5 m breit und 30 cm hoch waren. Insgesamt ging es in der Paradeiserernte  etwas ruhiger  als zur Salatzeit zu. Wenngleich auch zeitgleich in der Früh, um 6 Uhr, mit dem Pflücken begonnen wurde. Alle Hände, die in einer Familie verfügbar waren, wurden gebraucht, und so wurden auch die Kinder, die ja im Juli und August Ferien hatten, zur Erntearbeit eingesetzt. Eine Tätigkeit, die auf Grund der ganztags gebückten Haltung oftmals starke Kreuzschmerzen hervorrief. An Tagen mit starker Anlieferung gab es bei der Genossenschaft oftmals lange Wartezeiten und der Arbeitstag, der um 6 Uhr begonnen hatte, endete oftmals erst um 22-23 Uhr beim Paradeiser sortieren. Gefürchtet bei der Paradeiserernte waren die heißen Tage im August, die die Früchte zu schnell reifen ließen. Das folgende witterungsbedingte Überangebot am Markt führte zu unvermeidlichem Preisverfall. Da von vielen kleinen Gartenbesitzern die geerntete Ware händisch transportiert werden musste, gab es zusätzlich zu der zentralen Übernahmestelle in den einzelnen Rieden eigene Übernahmestellen. Früher waren dies Holzhütten bzw. Holzscheunen, die dem angelieferten Gemüse Schatten und Kühle boten. Später wurden in der Riede Schottenau (heute Wirtschaftshalle  der Familie Georg Haider) und in den oberen Seegärten beim Ganslsee Hallen mit festem Mauerwerk  errichtet.

1980, zum 50-Jahr-Jubiläum, konnte die Genossenschaft bereits einen Umsatz von über 30 Millionen Schilling verzeichnen.
Im Jahr 1980 betrug die Gesamtmitgliederzahl der Genossenschaft noch 818 Personen. Aus Neusiedl am See stammen 259 Mitglieder. Zehn Jahre später waren es gar noch 304. Aufgrund des Strukturwandels und der Tatsache, dass  die  kleinen und schmalen Hausparzellen eine künstliche Beregnung  wirtschaftlich nicht zuließen, ging der Gemüseanbau in den 80er Jahren stark zurück. Der Neusiedler Gemüseanbau musste der Konkurrenz weichen und rasant zeichnete sich das Ende ab. 1995 gab es in Neusiedl nur mehr 3 Mitglieder der Gemüsegenossenschaft.

Im Jahr 1989 übernahm der derzeitige Geschäftsführer Ing. Josef Peck die Geschäftsführung der Obst- und Gemüsegenossenschaft.

1992 wurde die Zusammenarbeit in der Vermarktung mit der LGV-Frischgemüse Wien im Rahmen einer Kooperation ins Leben gerufen.

1993 wurde die Vermarktungsanlage in Wallern gebaut und der Sitz der Genossenschaft von Neusiedl am See nach Wallern verlegt.

1995 wurde gemeinsam mit den Handelsfirmen Ahorner und Fruchtunion die Sonnengemüse Vertriebsgesellschaft gegründet.

1995 war auch das Jahr des Beitritts Österreichs zur EU. Die Konkurrenzsituation für die heimischen Gemüsebauern verschärfte sich und damit auch der Druck: Die Erzeugerpreise fielen innerhalb eines Jahres um ein Drittel. Der Schwerpunkt der Arbeit der Obst- und Gemüsegenossenschaft liegt nun  im Seewinkel. Trotz des Strukturwandels verzeichnet die Genossenschaft jedes Jahr steigende Umsätze, und unsere qualitätsorientierten Gemüsebauern können sich im EU-weiten Wettbewerb bestens behaupten. Salat, Paradeiser, Paprika und viele andere Gemüsearten werden in Folientunnel und Glashäusern produziert. Die Vermarktung erfolgt in  Kooperation mit den Wiener Gemüsebauern.

Nach der Übernahme der Gesellschaftsanteile der beiden anderen Partner, ist die Obst- und Gemüsegenossenschaft des Bezirks Neusiedl am See seit 1997 alleiniger Eigentümer der SGV und die Gemüsebauern haben somit wieder das Sagen über die Vermarktung.

In den Jahren 1992, 2001  und 2008 (2010 Leerguthalle) wurden die weiteren Ausbaustufen der Vermarktungsanlage in Wallern umgesetzt, sodass derzeit auf eine gekühlte Lagerfläche von 5.233 m2 zurückgegriffen werden kann.

Die SGV ist seit 14.12.2000 eine anerkannte Erzeugerorganisation lt. EU-Verordnung.

Die SGV hat seit 2005 ein Qualitätsmanagementsystem installiert.   

Von 2005-2007 wurde die Gemüsegenossenschaft nach ISO 9001:2000, ab dem Jahr 2008 bis heute nach IFS zertifiziert.

Die langjährige Kooperation zwischen LGV und SGV wird per 31.12.2012 beendet. Ab 01.01.2013 bringt die Sonnengemüse Vertriebsgesellschaft die Produkte ihrer Mitglieder selbst, unter der Marktbezeichnung "Seewinkler Sonnengemüse", auf den Markt.

Mit diesem Schritt wird der Fokus von Seewinkler Sonnengemüse noch mehr auf Regionalität und Frische gelegt.

Die Obmänner der Obst- und Gemüsegenossenschaft seit dem Gründungsjahr 1930

Josef KastNeusiedl am See    1930-1937
Johann KoppitschNeusiedl am See    1938-1946
Anton Haider     Neusiedl am See    1946-1962
Johann PreschitzNeusiedl am See    1962-1974
Ludwig VollathNeusiedl am See    1974-1987
Franz Trautner    Wallern        1987-1990
Walter SattlerTadten    1990-2012
Martin PfefferSt. Andrä    2012-2016
Michael UngerPamhagenseit 2016
Tomaten-Raritäten